Statement 25.09.2026

Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK)

Der 25. September ist in Deutschland der Tag der Zahngesundheit. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“. Damit lenken Zahnmediziner, Krankenkassen, Kinder- und Jugendärzte den Blick auf die Themen gesunde Ernährung und Kaufunktion. Beide sind gleichermaßen unverzichtbare Säulen für eine lebenslange Mund- und Allgemeingesundheit.

Seit Jahren zeigt sich ein besorgniserregender Trend hin zu einem vermehrten Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel, säurehaltiger Getränke und Snacks sowie zu einem überhöhten Zuckerkonsum. Epidemiologische Daten belegen einen engen Zusammenhang zwischen ungesunden Ernährungsgewohnheiten und der Entstehung von Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie weiteren chronischen Erkrankungen. Gleichzeitig sind die Auswirkungen einer Fehlernährung auf die Mundgesundheit vielfältig und weitreichend: Eine zuckerreiche Ernährung fördert die Entstehung von Karies und begünstigt Entzündungen des Zahnfleisches, während säurehaltige Getränke Zahnerosionen verstärken. Auch der Zahnhalteapparat kann durch chronische Entzündungsprozesse nachhaltig geschädigt werden.

Aktuelle Daten der DMS • 6 verdeutlichen, dass trotz der Fortschritte der Zahnärzteschaft in Prävention, Mundgesundheitsförderung und Aufklärung die Häufigkeit oraler Erkrankungen weiterhin hoch ist. Besonders in sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen stellt die frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) immer noch ein Problem dar, das mit Schmerzen einhergeht, die Zahnentwicklung nachhaltig beeinträchtigt und langfristige gesundheitliche Folgen haben kann. Bei Erwachsenen ist in den vergangenen Jahren ein Rückgang der Karieserfahrung (DMFT-Wert) zu verzeichnen, dennoch ist Karies nach wie vor häufig: 35- bis 44-Jährige weisen im Durchschnitt 8,3 betroffene Zähne auf, bei 65- bis 74-Jährigen liegt der Wert bei 17,6 Zähnen. Auch Parodontitis als chronische Entzündung des Zahnhalteapparats ist weit verbreitet. Besonders im höheren Lebensalter nehmen schwere Verlaufsformen (Stadium III und IV) deutlich zu.

Um die Mundgesundheit langfristig zu verbessern, bleiben Präventionsmaßnahmen entscheidend: Regelmäßige zahnärztliche Vorsorge, gute häusliche Mundhygiene und eine zahngesunde Ernährung müssen Hand in Hand gehen.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichte die Bundeszahnärztekammer im Mai 2025 ihr Positionspapier zum Thema „Ernährungszahnmedizin und Mundgesundheit“, dass die engen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Mundgesundheit betont. Das Papier, orientiert an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), empfiehlt eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung mit einem geringen Anteil an freien Zuckern, einem hohen Ballaststoffgehalt sowie Wasser als Hauptgetränk.
Zugleich ist das Papier ein klarer Appell an die Politik, gesundheitsförderliche Lebensweisen zu stärken. Dazu gehören eine verständliche und verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung, deutlich zuckerreduzierte Lebensmittel für (Klein-)Kinder mit klarer Zuckerkennzeichnung sowie wirksame Beschränkungen der Werbung für stark zuckerhaltige Produkte, insbesondere wenn diese sich an Kinder und Jugendliche richtet. Ergänzend wird die Einführung einer Herstellerabgabe auf stark zucker- und/oder säurehaltige Softdrinks gefordert.

Der Blick nach Großbritannien zeigt, dass derartige Maßnahmen wirksam sein können. Bereits 2018 führte die Regierung eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke ein. Schon die Ankündigung dieser Herstellerabgabe führte zu spürbaren Reformulierungen: Zahlreiche Unternehmen senkten den Zuckergehalt ihrer Produkte. In der Folge enthalten einige Softdrinks heute nur noch etwa halb so viel Zucker wie vergleichbare Produkte in Deutschland. Ergänzend trat 2026 ein umfassendes Werbeverbot für sogenanntes Junk-Food – darunter gezuckerte Frühstücksflocken und Energydrinks – im Fernseh-Tagesprogramm sowie im Internet in Kraft. Ziel dieser Maßnahme ist es, die übermäßige Medienpräsenz ungesunder Lebensmittel, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, deutlich zu verringern. Verbindliche politische Instrumente können auf diese Weise die Präventionsbemühungen unterstützen und die Gesundheit stärken.Ernährung wirkt sich jedoch nicht nur über ihre Zusammensetzung, sondern auch über ihre Konsistenz auf die Gesundheit aus. Eine gesunde Ernährung setzt eine intakte Mund- und Zahngesundheit voraus. Durch das reibungslose Zusammenspiel gesunder Zähne, eines funktionierenden Zahnhalteapparates, einer kräftigen Kaumuskulatur, beweglicher Kiefergelenke sowie einer gut koordinierten Zungen- und Lippenfunktion kann Nahrung ausreichend zerkleinert und für die weitere Verdauung vorbereitet werden. Doch Kauen ist weit mehr als ein rein mechanischer Vorgang: Es fördert die Speichelbildung, unterstützt die Selbstreinigung der Zähne, verbessert die Nährstoffaufnahme und wirkt sich positiv auf die Verdauung aus.

Besonders im Kindesalter ist ausreichendes und vielseitiges Kauen entscheidend: Es formt den Kiefer, unterstützt eine gesunde Gebissentwicklung und kann Fehlstellungen vorbeugen. Eine intakte Kaufunktion ist damit eine zentrale Voraussetzung für die Entwicklung eines gesunden Gebisses und bildet die Grundlage für eine langfristig gute Mund- und Zahngesundheit. Präventive Maßnahmen, wie eine altersgerechte Ernährung mit kauaktiven Lebensmitteln, spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Auch im höheren Lebensalter bleibt eine funktionierende Kaufunktion von großer Bedeutung. Einschränkungen der Kaufunktion, der Schluckfunktion oder eine reduzierte Speichelproduktion können die Lebensmittelauswahl erheblich einschränken und das Risiko für Mangel- und Fehlernährung erhöhen. Menschen mit Zahnschmerzen, fehlenden Zähnen oder unzureichendem Zahnersatz greifen häufiger auf weiche, stark verarbeitete und oft zuckerreiche Nahrungsmittel zurück. Dies begünstigt nicht nur eine unausgewogene Ernährung, sondern erhöht zugleich die Kariesgefahr – ein Teufelskreis mit negativen Folgen für die Mund- und Allgemeingesundheit.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig eine lebenslange Förderung der Mund- und Zahngesundheit ist. Der Tag der Zahngesundheit erinnert uns daran, dass gesunde Zähne kein Zufallsprodukt sind. Sie sind das Ergebnis bewusster Ernährung, funktionierender Kaufähigkeit, frühzeitiger Prävention und klarer politischer Rahmenbedingungen. Ernährung und Kauen verdienen deshalb deutlich mehr Aufmerksamkeit – für gesunde Münder, gesunde Menschen und eine gesündere Gesellschaft insgesamt.

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