Statement 25.09.2026
Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. (BZÖG)
Essen ist ein elementares menschliches Grundbedürfnis. Dabei geht es beim Essen nicht nur um den bloßen Akt der Aufnahme und Zerkleinerung der Nahrung. Das gemeinsame, genussvolle Essen im familiären oder geschäftlichen Kontext ist insbesondere auch ein Akt des sozialen Miteinander, des Knüpfens erfolgreicher Beziehungen und somit ein essenzieller Bestandteil unseres täglichen Lebens. Daher stellt eine uneingeschränkte Kaufähigkeit die Grundlage für unsere sozialen Interaktionen, unseren gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg und letztlich auch für unser allgemeines Wohlbefinden dar.
Kaubeschwerden können sich auf die Auswahl unserer Nahrungsmittel auswirken und dadurch nicht nur die Möglichkeit für eine gesunde und ausgewogene Ernährung einschränken, sondern unsere persönlich empfundene allgemeine und mundbezogene Lebensqualität negativ beeinflussen. Die hohe Public Health-Relevanz dieses Themas wird dadurch deutlich, dass der Erhalt der Kaufähigkeit sich über alle Altersgruppen hinweg und auf unterschiedliche Dimensionen positiv auswirken kann. Im Kindes- und Jugendalter ist eine ausgewogene Ernährung eine wesentliche Grundlage für ein gesundes Aufwachsen und in der Folge für eine gesundheitliche Chancengleichheit. Die frühe Detektion von Kaubeschwerden aufgrund kariöser Milch- und bleibender Zähne führt dabei nicht nur zu einem Zahnerhalt, sondern auch zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Kaufähigkeit. Sie kann auch zu einer frühen Identifikation einer möglichen so genannten „Dentalen Vernachlässigung“ und potenzieller weiterer Gefährdungsaspekte im Bereich des Kindeswohls führen.
Bei betagten Menschen oder bei Menschen mit Einschränkungen können Kau- und Schluckbeschwerden infolge von Zahnverlust oder schlechtsitzendem Zahnersatz zu einer Mangelernährung führen, die durch Angehörige und Pflegepersonal nicht oder zu spät erkannt wird, weil ältere Menschen oder Pflegebedürftige Kau- und Schluckbeschwerden oftmals nicht mitteilen können. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten dabei zeigen, dass der Erhalt der Kaufähigkeit im höheren Alter nicht nur zu einer Vermeidung kaufunktioneller Einschränkungen führt. Neben dem Erhalt der oralen Lebensqualität kann sie u.a. zu einem besseren Ernährungszustand und insbesondere auch zum Erhalt der kognitiven Fähigkeiten führen. Die Studienerkenntnisse deuten darauf hin, dass die Aktivierung der Kaumuskulatur und das richtige Kauen – sei es mit natürlichen Zähnen oder mit gutsitzendem Zahnersatz – die Freisetzung verschiedener Botenstoffe und die Aktivierung bestimmter Hirnareale bewirken, die zu einer verbesserten Durchblutung des Gehirns und zur Vorbeugung gegen die Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen führen können.
Neben diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen steht unzweifelhaft fest, dass der Wunsch nach einem unbeschwerten Essgenuss und einer uneingeschränkten Kaufähigkeit bis ins hohe Alter uns alle betrifft.
Die Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes können durch ihre aufsuchende, niedrigschwellige und früh einsetzende zahnärztliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen bereits ab dem Kita-Alter einen sehr großen Beitrag zur Früherkennung u.a. von Kariesrisiken und Kaubeschwerden leisten und somit zum Erhalt der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität auf breiter Ebene beitragen. Eine Erweiterung dieser Betreuungsangebote auf spezielle Wohnformen für Menschen mit Einschränkungen und für stationäre Einrichtungen der Altenpflege wäre daher vor diesem Hintergrund eine sehr wünschenswerte und sinnvolle Maßnahme, die jedoch aufgrund mangelnder Ressourcen nicht in der Fläche umgesetzt werden kann. Die Stärkung der Zahnärztlichen Dienste und der ambulanten zahnärztlichen Versorgung – und nicht der Abbau zahnärztlicher Stellen im Öffentlichen Gesundheitswesen und die Kürzung von Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung – sollte daher trotz der angespannten finanziellen Lage der Kommunen und Krankenkassen die Krankheitsfrüherkennung sowie der Erhalt der Lebens- und Versorgungsqualität der Bevölkerung das zentrale Ziel einer sinnvollen zahnmedizinischen Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland sein. Da eine Früherkennung von Gesundheitsproblemen stets in die Einleitung von Gegenmaßnahmen zu ihrer Beseitigung münden muss, ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Öffentlichen Gesundheitsdiensten und der ambulanten zahnärztlichen Versorgung ebenfalls eine unverzichtbare Kernforderung.
Der BZÖG begrüßt und unterstützt daher das diesjährige Motto des Tages der Zahngesundheit „Gesund beginnt im Mund – Kau Dich fit!“. Das Motto ist aus Sicht des BZÖG in hohem Maße gesellschaftlich relevant und sehr dazu geeignet, den Blick der Öffentlichkeit auf die hohe Bedeutung der Kaufähigkeit und den Erhalt der allgemeinen und der mundbezogenen Lebensqualität der Menschen in Deutschland zu lenken.
