Statement 25.09.2025

Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. (BZÖG)

Superkraft Spucke!

Das diesjährige Motto des Tages der Zahngesundheit (TdZ) vermittelt vielleicht den Eindruck, als ob sich die Mitglieder der Arbeitsversammlung des TdZ bei der Mottosuche bei den Superhelden-Stories der Marvel-Comics bedient haben könnten. Frei nach dem Motto: Der Speichel ist der Superheld! Die Spucke ist die Superheldin! So merkwürdig sich diese Aussage auch lesen mag: Der Speichel hat tatsächlich erstaunliche Eigenschaften und vielfältige Aufgaben. Diese sind auch erforderlich, da die Mundhöhle als Haupteintrittspforte in den Körper einer Vielzahl von Einflüssen und Risiken aus der Außenwelt ausgesetzt ist. Der Speichel besteht zum größten Teil aus Wasser und beinhaltet in geringer Menge bestimmte immunologisch und nicht immunologisch wirkende Proteine und Enzyme. Durch seinen neutralen pH-Wert, der zwischen 6,5-7,0 liegt, schützt er die Zähne vor dem Säureangriff aus der Nahrung und den Abbauprodukten kariogen wirkender Bakterien. Seine immunologischen Eigenschaften schützen vor eintretenden Viren und Bakterien und führen zu einem Gleichgewicht der bakteriellen Mundflora. Er trägt durch seine Zirkulation zur Selbstreinigung des Mundes bei und enthält u. a. Kalzium, Phosphat, Magnesium und Fluorid, die wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden können und auf diese Weise zu seiner Remineralisierung führen. Ist die Speichelbildung eingeschränkt, wie z. B. bei Bestrahlungen im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich, der Einnahme bestimmter Medikamente oder bei bestimmten chronischen Erkrankungen (z. B. Sjögren Syndrom), steht die Schutzfunktion des Speichels nur eingeschränkt zur Verfügung, was zu einem erhöhten Kariesrisiko bei den Betroffenen führt. Bei der Nahrungsaufnahme ermöglicht der Speichel die Geschmacksempfindung und er trägt dazu bei, dass die Nahrung aufbereitet und geschluckt werden kann. Ein zusätzlicher Schutz vor schädigenden Umwelteinflüssen entsteht durch die Auflagerung bestimmter Speichelbestandteile auf die Zahnoberfläche. Dieser, als „Pellikel“ bezeichnete Schutzfilm, bildet sich innerhalb von Minuten nach dem Zähneputzen und schützt in seinen Anfangsstadien nicht nur den Zahnschmelz, sondern dient gleichzeitig als Anheftungsmechanismus für Proteine aus dem Speichel, an welche sich wiederum Bakterien aus der Mundhöhle gut andocken können. Somit schützt der Speichel leider nicht nur vor dem schädigenden Einfluss potenziell schädlicher Bakterien der Mundflora, sondern er fördert gleichzeitig die Bildung bakterieller Zahnbeläge, die in der Fachsprache auch als „Plaque“ bezeichnet werden und die zu Karies und Parodontitis führen können, wenn sie nicht regelmäßig entfernt werden. Daher ist eine regelmäßige häusliche Mundhygiene mit fluoridhaltiger Zahnpasta enorm wichtig, da sie dazu beiträgt, dass das „Ökosystem Mundhöhle“ im Gleichgewicht gehalten werden kann.

Klinische Langzeitstudien konnten dabei zeigen, dass der frühe Beginn des Zähneputzens mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta im Kleinkindalter zu einer signifikant besseren Zahngesundheit in späteren Lebensjahren führt. Daher sind die Individual- und Gruppenprophylaxe so ungemein wichtig für die frühe Vermittlung und Umsetzung zahngesunder Verhaltensweisen. Diese können das Ökosystem Mundhöhle effektiv in einem (zahn)gesunden Gleichgewicht halten und den Wundersaft Speichel in seinen vielfältigen Schutzfunktionen unterstützen. Daher begrüßt und unterstützt der BZÖG das diesjährige Motto des TdZ, denn durch die aufsuchenden und niedrigschwelligen Untersuchungs-, Beratungs- und Betreuungsangebote der kommunalen Zahnärztlichen Dienste werden im Rahmen der gruppenprophylaktischen Betreuung viele Kinder und Jugendliche erreicht – insbesondere auch diejenigen aus Familien in besonderen Lebenslagen und mit einem schlechteren Zugang zu Einrichtungen des Gesundheitswesens. Auf diese Weise wird der Speichel bei seiner täglichen präventiven Arbeit und beim Erhalt des ökologischen Gleichgewichts in der Mundhöhle bereits ab der Kindheit wirkungsvoll unterstützt. Diese Erkenntnis ist ein grundlegender und wichtiger Schritt, der die Chancengleichheit für ein (zahn)gesundes Aufwachsen und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität in der Kindheit und im Erwachsenenalter fördern kann.