Die zentrale Auftaktpressekonferenz
zum Tag der Zahngesundheit 2011 fand statt am
Freitag, den 16. September 2011 in Berlin.
Unser diesjähriges Motto:
„Gesund beginnt im Mund – je früher, desto besser!"
Zusammenfassende
Presseinformation des Aktionskreises zum Tag der Zahngesundheit anlässlich der
zentralen Pressekonferenz vom 16.9.2011 zum Tag der Zahngesundheit 2011
21.
Tag der Zahngesundheit 2011: „Je früher, desto besser!"
Das
Motto, das der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit in diesem Jahr als
zentrale Botschaft ausgegeben hat, ist zugleich Credo der
präventionsorientierten Zahnheilkunde schlechthin: „Gesund beginnt im Mund - je früher, desto besser" heißt es im Jahr
2011 und damit auch bei tausenden kleinerer und größerer Veranstaltungen und
Aktionen rund um den 25. September, dem traditionellen „Tag der Zahngesundheit"
in Deutschland.
Im
Fokus der zentralen Pressekonferenz zum Tag der Zahngesundheit 2011, dieam 16.
September in Berlin stattfand, standen insbesondere die Kinder und der frühzeitige
Schutz ihrer Mundgesundheit. Dass dies leichter gefordert als eingelöst ist,
machte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepäsident der Bundeszahnärztekammer,
deutlich: „Die Entwicklungen sind durchaus heterogen." Einerseits könnten sehr
beeindruckende Erfolge bei einem großen Anteil der Kinder festgestellt werden.
So habe sich beispielsweise die Karieslast bei 12-Jährigen
in den vergangenen 25 Jahren um immerhin 80 % verringert: „Diese Entwicklung
hat sicher eine Vorbildfunktion für das gesamte deutsche Gesundheitswesen." Andererseits
gebe es eine vergleichsweise kleine Gruppe, die nach wie vor mit deutlichen Mundgesundheitsproblemen
zu kämpfen habe. Besonders betroffen seien Kinder aus bildungsfernen und sozial
schwachen Schichten sowie viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund,
auch wenn sie schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland
leben.
Auch
nehme die frühkindliche Karies bei Kindern bis zu drei Jahren zu: „Annähernd
die Hälfte der kariösen Defekte, die zum Zeitpunkt der Einschulung vorhanden
sind, entstehen bereits in den ersten drei Lebensjahren", sagte Professor
Oesterreich.Dabei spiele nach wie vor die sog. Nuckelflaschenkaries eine
negativ herausragende Rolle: Kinder erhielten regelmäßig und zu lange eine
Nuckelflasche mit gesüßten oder fruchtsäurehaltigen Getränken: „Folgen sind
bereits in dieser Altersphase tiefgreifende Zerstörungen, insbesondere der oberen
Frontzähne, verbunden zumeist mit massiven Beschwerden und nicht selten aufwendiger
Zahnentfernungen unter Vollnarkose." Eine große Herausforderung sei zudem die
derzeit noch zu hohe Anzahl nicht behandelter Milchzahndefekte - es müsse
erreicht werden, dass die Kinder früher in den Zahnarztpraxen vorgestellt
würden, um Eltern über die Bedeutung der Mundgesundheit für die Kindesentwicklung
informieren zu können: „Eine gute Mundgesundheit bei Kindern ist die Basis für
die gesamte gesunde körperliche Entwicklung und Voraussetzung für gesunde Zähne
im Erwachsenenalter." Professor Oesterreich empfahl eine Vernetzung von
Gynäkologen und Zahnärzten für die frühzeitige Aufklärung werdender Mütter
sowie eine engere Zusammenarbeit mit den Kinderärzten. Hier gebe es gute
Beispiele auf Landesebene, die institutionalisiert werden müssten. Professor
Oesterreich: „Es gilt, gegenseitige Kompetenzen anzuerkennen, Synergien zu
suchen und einheitliche Botschaften zu vermitteln."Notwendig seien zudem eine
bundesweite Verbreitung der zahnärztlichen Kinderpässe und die
Schaffungentsprechender gesetzlicher Rahmenbedingungen durch die
Gesundheitspolitik. Auchseien Maßnahmen der Gruppenprophylaxe verstärkt für die
jüngsten Kinder zu entwickeln.
Dass
sich auch die Kinder- und Jugendärzte für Mundgesundheit engagieren, verdeutlichte
Dr. med. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder-
und Jugendärzte e. V.: „Kinder- und Jugendärzte haben im Rahmen der
gesetzlichen Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten den Zugang zu
fast allen Säuglingen und Kleinkindern. Im Rahmen dieser Untersuchungen können
sie die notwendige Information und Anleitung der Eltern leisten und so einen
wichtigen primärpräventiven Beitrag zur Vermeidung von Karies beisteuern."
Verschiedene Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und
Kieferkrankheiten gehörten laut Sozialgesetzbuch auch in den Leistungskatalog
der Ärzte- allerdings ließe die Umsetzung in Beratungsleistungen für Eltern unverständlicherweise
bis heute auf sich warten: „Die intensive Beratung der Eltern in den ersten
Lebensjahren ist ganz entscheidend für die dringend notwendige Senkung der
Häufigkeit von Zahnkaries und auch von Zahnfehlstellungen."
Wie
wichtig die ersten Lebenswochen bereits im Mutterleib für eine gesunde Zahn-
und Kieferentwicklung sind, zeigte Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski/Charité mit
eindrucksvollen Beispielen aus dem Bereich der Biologie: „Schon die Entwicklung
eines einzelnen Zahnes stellt höchste Ansprüche an die Leistungsfähigkeit und
Koordination jeder einzelnen der mehr als 100.000 beteiligten Zellen."Damit die
Körperzellen diese Leistung auch störungsfrei erbringen können, seidie
Gesundheit des ungeborenen Kindes und seiner Mutter notwendig. Nach der Geburt
gelte es, mit altersgerechter Mundpflege, Ernährung und Infektionsvermeidung
die Zähne gesund zu erhalten und auch die Entwicklung eines dauerhaft
funktionsfähigen Gebisses im Auge zu behalten: „Dafür sind die korrekte
Zuordnung der Zähne zueinander und ihre langfristige, stabile Stellung wichtig."
Professor Radlanski rief Eltern und Betreuer von Kindern bis zu drei Jahren
dazu auf, mehr auf einen korrekten Mundschluss und die richtige Ruhelage der
Zunge am Gaumen statt im Mundboden zu achten: „Je früher man sich darum
kümmert, dass das physiologisch korrekte Gleichgewicht zwischen Zunge und Mund-Muskulatur
eingestellt, geübt und beibehalten wird, desto besser."Es gehe dabei, das müsse
den Eltern bewusst werden, nicht „nur" um gesunde Zähne, sondern um eine gesunde
Entwicklung insgesamt und nicht zuletzt die des Gesichts, „mit dem man in die
Welt schaut."
Dass
der diesjährige Tag der Zahngesundheit seinen Blick „auf die jüngsten unserer
Versicherten richtet", wie Dr. Michael Kleinebrinker, Referent für die vertragszahnärztliche
Versorgung beim GKV-Spitzenverband, sagte, werde von den Krankenkassen
ausdrücklich begrüßt: Trotz aller Erfolge auf dem Gebiet der Mundgesundheit in
den letzten Jahren gebe es ganz besonders bei den Jüngsten immer noch Einiges
zu tun. Die Kassen hätten in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich das
finanzielle Engagement auf dem Gebiet der zahnmedizinischen Prophylaxe gesteigert - von rd. 373 Mio. Euro im Jahr
2000 auf mehr als 500 Mio. Euro im Jahr 2010; im selben Zeitraum sei der Anteil
der Prophylaxe-Leistungen an den Gesamtausgaben für die zahnärztliche
Behandlung von 3,4 Prozent auf fast 4,5 Prozent gestiegen. Mit Blick auf die
hohe Karieserfahrung von Schulanfängern meinte Dr. Kleinebrinker: „Wir müssen
nach neuen Wegen suchen, um die Karies, die im Alter zwischen sechs Monaten und
sechs Jahren entsteht, zu stoppen oder zumindest zu reduzieren." Aus Sicht der
Krankenkassen sei es erforderlich, so früh wie möglich die Aufmerksamkeit der
Eltern für die Mundgesundheit ihrer Kinder zu wecken, mit der systematischen
Betreuung der Kinder früher als bisher und zielgruppengerichtet zu beginnen und
die beteiligten Akteure stärker zu vernetzen. Notwendig wäre zudem eine wissenschaftliche
Evaluierung von Maßnahmen zur Senkung der frühkindlichen Karies sowie die
Vermeidung „rivalisierender Konzepte".
Dr.
Kleinebrinker wünschte sich ebenso wie Professor Oesterreich, Professor
Radlanski und Dr. Fegeler, dass der diesjährige Tag der Zahngesundheit dazu
beitragen möge, die Bevölkerung und auch die eigenen Berufsgruppen für das
Thema frühkindliche Karies zu sensibilisieren.
ANHANG
Sechs
wichtige Forderungen für eine gesunde Entwicklung von Zähnen und Kaufunktion,
zusammengestellt von Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski/Charité:
Gesunde Ernährung der Schwangeren. Alle Zellen des Fetus müssen störungsfrei
leben können.
Gesunde Ernährung des Kindes. Alle Zellen müssen einen gesunden Stoffwechsel
aufrechterhalten können.
Mundhöhlenmilieu bakteriell in Balance. Für die Mundgesundheit schädliche Keime
werden beim Ablecken von Löffeln oder „Sauberlecken" eines Schnullersvon den
Eltern auf das Kind übertragen.
Tägliche Mundhygiene mit den Kindern. Zähneputzen soll verinnerlicht werden.
Anfangs müssen Eltern die Zähne gründlich vorputzen, die Kinder putzen danach
selbst, je nach ihrem Können und mit wachsendem Alter immer mehr. Wichtig: Die
Eltern müssen das erfolgreiche Zähneputzen immer kontrollieren (und loben).
Zeitgerechter Zahndurchbruch und physiologisch korrekte Zahnstellung. Eine Kontrolle
des Zahnwechsels ist mit 6 Jahren notwendig, eine Kontrolle der Zuordnung der
Kiefer mit 10 Jahren.
Regelmäßige
Kontrollbesuche beim Zahnarzt beginnend mit dem ersten Lebensjahr. Auch
Erwachsene sollten für „Mundgesundheit ein Leben lang" den Zustand der Zähne selbst
und auch ihre Lage zueinander regelmäßig prüfen lassen. Sie sind damit selbst
das beste Vorbild für die Kinder.
Für Rückfragen der Presse:
Pressestelle Tag der Zahngesundheit
Birgit Dohlus, dental relations, T: 030 / 3082 4682,
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NEU!!!
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Auf Anfrage senden wir Ihnen auch gerne die O-Töne von
unseren Referenten als mp3-Datei per E-Mail. Anfragen unter:
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Moderation (O-Ton) Herr Dr. Uwe Prümel-Philippsen
(Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.)
Statement (O-Ton) von Herrn Prof. Dr. Dietmar Oesterreich
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (Berlin)
Statement (O-Ton) von Herrn Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski
(Charité
Berlin)
Statement (O-Ton) von Herrn Dr. med. Ulrich Fegeler
Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V.
Statement (O-Ton) von Herrn Dr. Michael Kleinebrinker
(GKV-Spitzenverband)
Fragen an die Experten
Statements
Statement von Herrn Prof. Dr. Dietmar Oesterreich,
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer
Statement Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski,
Charité Berlin
Statement Dr. med. Ulrich Fegeler
Berufsverbandes der Kin-der- und Jugendärzte (BVKJ e.V.)
Statement von Herrn Dr. Michael Kleinebrinker,
GKV-Spitzenverband
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